Freitag, 15. November 2013

Quentin´s Story: Krebs bekommen immer nur die anderen!

Am 11. Mai 2012 hielt ich meinen ersten positiven Schwangerschaftstest in den Händen! Mit einem Puls von gefühlten 200 Schlägen pro Minute stand ich im Badezimmer und konnte mein Glück kaum fassen, dass ich nach nur vier Monaten ohne Pille schwanger geworden bin. Meine größte Angst war immer, dass ich vielleicht nicht auf natürlichem Weg schwanger werden könnte oder gar überhaupt nicht schwanger werden würde. Ich habe mehrere gute Freundinnen, die nämlich mit genau solchen Problemen zu kämpfen hatten. Das war also immer das Worst case scenario für mich. Dass mein Kind krank zur Welt kommen würde, darüber habe ich überhaupt nicht ernsthaft nachgedacht....
Zwei Tage habe ich es für mich behalten bis ich meinem Mann am 13. Mai, zu unserem Hochzeitstag, gesagt habe! Natürlich freute sich der Herr Kürbis darüber, aber wie er mir erst viel später mal erzählte, hatte er riesengroße Angst davor, Papa zu werden und die Verantwortung für einen kleinen Menschen zu übernehmen! Ich hatte nur in der ersten Zeit etwas mit Übelkeit zu kämpfen, es war eigentlich eine Bilderbuchschwangerschaft, bis auf das schreckliche Sodbrennen, das mich immer quälte. Ich konnte noch jeden Tag zum Training, bis ich wenige Tage vor der Geburt ins Krankenhaus kam. Es war unvorstellbar, dass nun wirklich ein kleiner Mensch in mir heranwachsen sollte. Wie wohl jede werdende Mama hab ich jedem Ultraschalltemin entgegengefiebert. In der 23. Woche war ich zu meinem Untersuchungstermin bei meiner Frauenärztin und während sie mir mein Baby beim Ultraschall zeigte, wurde sie plötzlich ganz still, obwohl sie normalerweise immer genau erklärte, was der kleine Kürbis auf dem Bildschirm von sich Preis gab. Nachdem ich mich wieder angezogen hatte und vor ihr saß, fing sie an mir zu erklären, sie habe gesehen, dass mit dem Herz unseres Babys etwas nicht in Ordnung wäre, aber da sie keine Spezialistin sei, würde sie mich in die Uniklinik überweisen. Ich fühlte mich als hätte mich jemand ins Gesicht geschlagen, ich weinte den ganzen restlichen Tag... Und da ja selten ein Unglück alleine kommt, war der Herr Kürbis zu dieser Zeit gerade beruflich in der USA unterwegs. Erst wollte ich es ihm gar nicht sagen, da ich es blöd fand, so eine Sache beim Skypen zu erzählen. Aber natürlich merkte er direkt, dass etwas nicht stimmte! Am nächsten Tag begleitete mich meine Mama dann in die Schwangerenambulanz der Uniklinik. Nach unzähligen Ultraschallbeschallungen und unzähligen Ärzten, die meinen kleinen Kürbis über den Bildschirm betrachteten, bestätigte sich die Diagnose meiner Ärztin: Hypoplastisches Linksherzsyndrom! Hypo was??? Ja das dachte ich auch... Vereinfacht gesagt, bedeutet das, dass die linke Herzkammer, die verantwortlich dafür ist, den Körperkreislauf mit Blut zu versorgen, nicht richtig ausgebildet ist und somit ihre Aufgabe nicht erfüllen kann. Jackpot, einer der beschissensten Herzfehler, den man bekommen kann! Um einen Gendefekt ausschließen zu können, wurde eine Fruchtwasser Untersuchung vorgenommen! Der kleine Zappelphilipp lag während dieser Untersuchung so still, als wüßte er genau, dass er sich vor der großen Nadel in Acht nehmen muss! Als ich an diesem Tag mit meiner Mama nach Hause fuhr, sagte ich zu ihr: "Krebs bekommen immer nur die anderen!" Doch jetzt waren wir die anderen! Nicht jemand, der jemanden kennt... Zwei Tage später hatten wir das Ergebnis, dass es keinen Gendefekt gab und die Gewissheit, dass es ein Junge wird! Ein Junge, der sich wenige Tage zuvor erst so richtig bemerkbar gemacht hat! Und dann die Frage der Professorin, was ich denn jetzt machen wollte. Erst wusste ich gar nicht, was sie von mir wollte!? Also sagte sie mir, ich solle die Schwangerschaft abbrechen lassen! Ich konnte nicht fassen, dass sie mir gerade klar machen wollte, dass ich meinen Babyjungen abtreiben lassen sollte! Das ist bei diesem Herzfehler, trotz diesem späten Zeitpunkt, in Deutschland legal!!! Da ich aber zwischenzeitlich schon von dem Leiter der Kinderkardiologie geschallt wurde und dieser mir auch Mut machte, mein Baby zu behalten, lehnte ich sofort ab! Ich wollte meinem Baby eine Chance geben, so klein sie auch war.....
In allem Unglück dieser Welt, gibt es allerdings immer wieder einen Lichtblick! So brachte diese schlimme Diagnose mich wieder einer meiner besten Freundinnen näher. Sie hat mir sehr geholfen, diese schwere Zeit durchzustehen! Hab Dich lieb Bella, du bist die beste Pepina, die wir für Quentin finden konnten! Und jetzt wisch Dir die Tränen weg und schick dem Sternchen einen Kuss in den Himmel;-)

Liebste Grüße Karina

Kommentare:

  1. Ich weiß gar nicht was ich schreiben soll...
    Es tut mir ganz schrecklich leid, was dir und deinem Mann wiederfahren ist.
    Ich wünsch euch von ♥en alles Liebe und Gute für die Zukunft und ganz viel Kraft!

    Grüße
    pipa

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  2. Liebe Karina,

    was für ein mutiger Schritt, diesen Weg trotz des Wissens um die Krankheit und der Ungewissheit zu gehen.

    Und wie gleichzeitig auch wunderbar, dass da schon jemand an deiner Seite war, der dich stützen konnte und für dich da war.

    Das sind die Freunde, die man in schlimmen Zeiten braucht - schön, dass du sie hast! :-)

    Liebe Grüße

    Sabine

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    1. Liebe Karina,
      ich habe gerade deinen Blog gefunden und bin so gerührt, wie du über deinen kleinen Quentin schreibst.
      Ich wünsche euch alllllllles alllllles Gute für die Zukunft und dass du irgendwann mal einen kleinen Schatz in deinen Armen halten kannst.
      Leider hab ich nur Google Friends Connect und kann mich deshalb nicht bei dir eintragen.
      Aber ich versuche, deine Seite irgendwie abzuspeichern, dass ich manchmal reinschauen kann.
      Von Herzen liebe Grüße
      Nähoma

      Hatte einen dicken schreibfehler eingebaut.

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